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Was ist eigentlich das "Paradies"?

Der Ort des Ursprungs, unerreichbar für uns im Hier und Jetzt, ein Ort der Sehnsucht und verheißene Zukunft. Pfrn. Matina Bogdan beschreibt die Vorstellungen vom Paradies, die es in der Bibel gibt.

Unser Wort „Paradies“ hat seinen Ursprung in Persien, wo besonders fruchtbare Gärten des Königs „Paradiese“ genannt wurden. Die Gärten, in denen auch Tiere gehalten wurden, waren offenbar so schön, dass sie bis heute Namensgeberin sind für den schönsten Ort, den wir uns vorstellen: Das Paradies, der Garten Eden.

In diesem Garten Eden, sagt das Alte Testament, ist das Paradies. Dort wohnten Adam und Eva in der Zeit vor dem Sündenfall. In diesem Garten ließ Gott fruchtbare Bäume wachsen, so auch den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis. Es gab keine Feindschaft zwischen Mensch und Tier; der Mensch konnte sich ohne Mühen ernähren.

„Dann legte Gott der Herr in Eden, im Osten, einen Garten an und setze dorthin den Menschen… Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert, dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen: Der eine heißt Pischon, … der zweite Strom heißt Gihon, … der dritte Strom heißt Tigris… der vierte Strom ist der Euphrat.“ (1. Mose 2,5ff)

Immer wieder wurde versucht, den Garten Eden geographisch zu verorten, zwar gibt es die Flüsse Euphrat und Tigris im Nahen Osten, die Flüsse Pischon und Gihon lassen sich dagegen nicht bestimmen. Außerdem wurde es in der jüdischen Tradition vermieden, über die geographische Lage dieses Gartens zu spekulieren, um zu verhindern, dass solch ein Ort zum Wallfahrtsort wurde.

Nach dem Sündenfall hat das irdische Paradies aufgehört zu existieren.

Im Judentum wurde der Name „Gan Eden“ zum Sammlungsort der Gerechten nach dem Tod Auch im Neuen Testament wird das Wort „Paradies“ verwendet, um einen Ort zu beschreiben, an dem die Gläubigen nach dem Tod bei Gott sein werden; dort wird es keine Krankheit, kein Leid, keine Tränen mehr geben (Offenbarung 2,7; Kap. 21 und 22). Die Offenbarung beschreibt ein Bild des Segens, der Freude und des Glücks, wo Menschen Gemeinschaft mit Gott haben und nicht mehr unter dem Fluch des Sündenfalls stehen. Im Lukasevangelium sagt Jesus am Kreuz zu dem Verbrecher an seiner Seite: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43). Dies ist nicht mehr das Paradies auf Erden, sondern meint ewiges Leben bei Gott.

Die Bibel beginnt mit der Erzählung von einem Paradies, aus dem der Mensch vertrieben wurde, weil er versagte und so die Sünde in die Welt kam. Sie endet mit einem anderen Paradies, dem Paradies von Gottes Ewigkeit, das durch den Kreuzestod von Jesus Christus geöffnet ist für alle, die an ihn glauben.
Pfarrerin Matina Bogdan