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Evangelisch - was ist das?

Manchmal hört man auch noch andere Begriffe, z.B. „protestantisch“. Und dann gibt es ja noch „lutherisch“, „reformiert“ und sogar „uniert“, ganz zu schweigen von „evangelischfreikirchlich“, „baptistisch“, usw. Wer steigt da noch durch?

„Evangelisch“ ist der Name einer der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Der Begriff stammt aus der Reformationszeit. Damals wollten Christen die vorhandene Kirche erneuern. Weil das aber nicht gelang, entstand eine neue Kirche, die „evangelisch“ genannt wurde. „Evangelium“ bedeutet „Frohe Botschaft“. Damit ist die Geschichte von Jesus Christus gemeint.

„Protestanten“ ist ein anderer Name für evangelische Christen. Auch dieses Wort stammt aus der Reformationszeit. Die Veränderer protestierten gegen die, die die die Erneuerung der Kirche stoppen wollten. Lateinisch nannte man dies eine „Protestation“, daher der Name „Protestanten“.

Doch es blieb nicht bei einer evangelischen Kirche. Schon zur Zeit Luthers, aber auch später gab es verschiedene Trennungen. Bis heute gibt es die Lutherische, die Reformierte und die Unierte Kirche. Letztere war der Versuch  der preußischen Könige, Lutheraner und Reformierte wieder Luthers Zeit aus einem unterschiedlichen Abendmahlsverständnis heraus getrennt. Erst Zwingli und dann Calvin hatten die Basis für die reformierte Lehre gelegt. Eine Gemeinschaft beim Abendmahl gibt es erst wieder offiziell seit 1971. Unsere Westfälische Kirche ist eine unierte Landeskirche mit lutherischen, reformierten und unierten Gemeinden unter einem Dach. Inzwischen gibt es nur noch wenige sichtbare Unterscheidungsmerkmale - so zum Beispiel den Katechismus, das „Lehrbuch“: für die Reformierten der Heidelberger und für die Lutheraner natürlich Luthers Katechismus.

Sonst arbeiten heute aber alle eng zusammen. Sie haben eine gemeinsame Organisation: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Die (evangelisch geprägten) Freikirchen sind zumeist baptistisch geprägt, d.h. sie vollziehen keine Kindertaufen, sondern nur die von ihnen so genannte Gläubigentaufe. In theologisch sehr konservativen Freikirchen gibt es auch die Vorstellung, die Bibel sei wortwörtlich von Gott diktiert. Weltweit gibt es weitere evangelische Kirchen, z.B. Mennoniten (auch sie sind Baptisten), Methodisten (England / USA) und die Anglikanische Kirche (ebenfalls in England). Insgesamt gibt es heute weltweit ca. 600 Millionen evangelische Christinnen und Christen. In Deutschland sind es etwa 25 Millionen Menschen. Das heißt: Fast jeder dritte Deutsche ist evangelisch!

Die Ökumene ist die Gemeinschaft aller christlichen Kirchen. Neben der bzw. den evangelischen Kirchen gibt es noch die anderen großen „Konfessionen“ (lat. Bekenntnisse): römisch-katholisch und altkatholisch, sowie die vielen orthodoxen Kirchen (z.B. griechisch und russisch). Sie alle bilden die Ökumene.
Pfr. Dr. Carsten Glatt