Hier finden Sie unseren aktuellen Gemeindebrief.

Das Kreuz mit dem Karfreitag

Die Tage werden länger, ein Versprechen auf den Frühling. Ostern
ist für mich das Fest des Frühlings, wir feiern mit dem Erwachen
der Natur - dem wunderschönen Farbenspiel, wenn die Bäume
wieder grün werden und zum Leben erwachen - die Auferstehung
Jesu aus dem Kreuzestod.


Das andere finde ich verstörend: Karfreitag. Folter, Kreuz und Tod, mitten im Frühling, mitten im Aufbruch des Lebens. Dass ich mir das so schwer vorstellen kann, liegt daran, dass ich lange nach dem letzten Krieg geboren wurde und Krieg nur aus dem Fernsehen, „gespielten Krieg“ aus meiner Marinezeit erinnere.

Doch die Menschen, die jetzt in dieser Zeit in Kriegsgebieten leben müssen, die vielleicht schon abgestumpft sind von dem blutigen Foltern, Morden und Zerstören, das um sie herum geschieht, die vielleicht täglich um ihr eigenes Leben fürchten müssen, ... diese Menschen haben sicher keine Zeit oder
Kraft, über solche Dinge wie Widersprüche zwischen Frühling und Krieg nachzudenken, denn sie haben definitiv andere Sorgen.

„Mein GOTT, mein GOTT, warum hast du mich verlassen!“ (Ps 22,2; Mk 15,34) schreit der am Kreuz hängende und gefolterte Christus seine Todesangst heraus. Da unterscheidet sich Jesus von keinem anderen, der sich in tödlicher Not befindet. Mag sein, dass wir heute andere Worte gebrauchen als das Psalmwort, mit dem Jesus sich hier weiterhilft. Aber letztlich ist die totale Verlassenheit Kern dieses Hilfeschreies.

Hier ist Christus mir ganz nah. Nicht dass ich schon mal in tiefster Todesnot gewesen bin, aber ganz bestimmt schon in großer Not. Hier glaube ich ihm, diesem Jesus von Nazareth, dass er GOTTES tiefe Liebe in diese Welt gebracht hat, dass er über GOTTES Willen mehr weiß als jeder, der vollmundig angeblich „Gottes Willen“ verkündet. Hier vertraue ich ihm, denn er ist einer wie Du und ich, und er hat aus seinem Wissen über GOTTES Liebe keinen Gewinn gezogen, sondern er ist gestorben, grässlich verreckt, nackt am Kreuz, ohne das schützende Tuch über seinen Genitalien, wie unsere verschämten
Kruzifixe es fälschlicherweise darstellen, nein, er war völlig nackt, weil man ihm neben seinem Leben auch noch den letzten Rest an Würde nehmen wollte. Christus hat für seinen Glauben keine Kriege geführt wie andere Religionsstifter nach ihm und jeder Krieg, der in seinem Namen geführt wurde, war dies ganz bestimmt nicht: war nicht in Christi Namen und nicht in Christi Sinn!

GOTT, unserm HERRN, sei Dank, dass wir Ostern feiern können, denn GOTT hat Jesus nicht vergessen, sondern ihn gerettet.

Und Christus hat uns zugesagt, dass das ganz in GOTTES Sinn ist: Dich und mich aus dem Tod und dem Verderben zu retten. Gut, wenn ich das glauben kann, denn es gibt mir Kraft und Stärke ganz besonders dann, wenn ich es brauche. GOTTES Segen für Sie und: Frohe Ostern wünscht Ihnen,
Ihr Pfarrer Reinhard E. Bogdan