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Das Glaubensbekenntnis

Das ist Teil jedes Gottesdienstes. Man kann das auch mit eigenen Worten tun, aber aus der frühen Geschichte des Christentums sind zwei besonders alte Bekenntnisse noch heute in Gebrauch: das „Apostolikum“ und das „Nizänum“.

Die Entstehung

Etwas genauer müsste ich sagen: Das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ - dies lernen auch die Konfis auswendig - und das längere Bekenntnis der Konzilien des 4. und 5. Jahrhunderts (=Jh.), das „Nizäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis“. Ich verwende es gern an hohen christlichen Feiertagen.
Von Jesus stammen sie nicht. Aber sie beziehen sich auf ihn.

Nachdem Jesus gestorben war und aus dem Glauben an seine Auferstehung heraus, entstanden erste Bekenntnisformeln wie „Jesus Kyrios“ (= Jesus ist der Herr) oder „Jesus Christus“ (= Jesus ist der Christus/der Gesalbte). Schon Paulus hat ältere urchristliche Bekenntnisformeln übernommen. Im Römerbrief verkündet er „das Evangelium Gottes ... von seinem Sohn, Jesus Christus, unserem Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.“(Römer 1,3f.)

Das Apostolikum ist eine einfach erzählte Zusammenfassung des christlichen Glaubens, ein „Credo“ (wörtlich: Glaube). Es ging aus dem „Romanum“ hervor, einem Taufbekenntnis vom Anfang des 2. Jh. aus der römischen Gemeinde. Bischof Ambrosius von Mailand nannte es Anfang des 4. Jh. „Symbolum Apostolorum“, also das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ - nicht weil die Apostel es formuliert hätten, sondern weil seine Inhalte so weit zurückreichen.

Karl der Große ließ es im 9. Jh. in seine Reichsgesetze schreiben, und im 10. Jh. wurde es von Kaiser Otto dem Großen als Taufbekenntnis eingeführt. Seit dem 16. Jh. ist es sowohl für die römisch-katholische Kirche also auch für die Kirchen der Reformation Grundlage der katechetischen Unterweisung, in letzteren allerdings sagt man „eine heilige christliche Kirche“ statt „katholische Kirche“, wie es im Original heißt.

Das „Nizäno-Constantinopolitanum“ hat seinen Ursprung im Nizänum (325 n.Chr.) und weiteren Konzilen der frühen Kirche. Fertiggestellt wurde es 451. Es ist deutlich apologetischer (verteidigender) gegen andere Lehren. Es betont z.B., dass Jesus Mensch und Gott war, beides in einem und nicht etwa eine Art „Halbgott“. Gerade in seiner Beschreibung von Jesus lässt sich eine „fremde Schönheit“ (R. Staats) dieses ökumenischsten Bekenntnisses entdecken: „aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, / wahrer Gott vom wahren Gott, / gezeugt, nicht geschaffen,/ eines Wesens mit dem Vater“. Pfr. Dr. Carsten Glatt

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Ich glaube
Glauben  heißt:  vertrauen,  und  nicht:  vermuten, nicht so genau wissen. „Ich glaube“ heißt: ich verlasse mich darauf, ich vertraue, wie einem guten Freund.

an Gott,
Gott ist mein persönliches Gegenüber, nicht eine  abstrakte  Macht.  Zugleich  sprengt  er  alle  meine  Vorstellungen,  ist  immer  mehr,  als  wir  sagen  und  erfahren  können.  Gott  zeigt sich uns als Schöpfer, in Jesus Christus und durch den Heiligen Geist.

den Vater,
Vater ist ein Bild für Gott. Nicht: Opa mit lan-gem Bart, sondern liebevoll, fürsorglich, be-schützend wie ein guter Vater sich zu seinen Kindern verhält. Nicht jeder kann dieses An-rede „Vater“ übernehmen, v.a. die nicht, die mit  ihrem  leiblichen  Vater  sehr  schlechte  Erfahrungen  gemacht  haben.  Die  Anrede  „Vater“ erweckt den Eindruck, dass Gott ein Mann ist. Wir können heute auch sagen: er ist wie eine Mutter, wie eine Freundin, etc.

den Allmächtigen,
Darunter stellt man sich jemanden vor, der über  alles  herrscht  und  dem  alles  möglich  ist.  Aber  wie  kann  jemand,  der  allmächtig  und  zugleich  die  Liebe  ist,  so  viel  Grausames  und  Schlimmes  in  unserer  Welt  zulassen?  Vielleicht  so:  Ich  glaube,  dass  sich  die  Liebe  durchsetzen  wird,  auch  wenn  sie  schwächer  ist  als  Gewalt  und  Leid.  Ich  glaube  an  Gottes  Heilsmacht,  die  auch  im Dunklen am Werk ist. Diese Macht der Liebe wird sich durchsetzen. Und ich vertraue darauf, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will (Dietrich Bonhoeffer).

den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Schöpfung oder Naturwissenschaft? Gottes
Wille oder Urknall? Kann man den Schöp-fungsbericht der Bibel (1. Buch Mose) wörtlich nehmen oder muss man nicht viel mehr erkennen, was er eigentlich sagen will? Viele Christinnen und Christen können heute die Erkenntnisse der Biologie, Phy-sik und Astronomie über die Entstehung der Welt bejahen und glauben gleichzei-tig, dass Gott hinter dem Urknall und der Entwicklung der Lebewesen steht. Somit sind wir nicht durch Zufall oder durch eine Laune der Natur entstanden. Wir vertrauen darauf, dass sich Gottes Liebe in der Entste-hung der Welt und in jedem neuen Leben in unserer Welt verwirklicht. In allem, was ist und was geschieht, zeigt sich die liebevolle Schöpfermacht Gottes.

Und an Jesus Christus,

Jetzt wird es konkret: Das ist eine der größ
ten Herausforderungen, die das christliche Glaubensbekenntnis enthält: Gott zeigt sich in einem Menschen. Er ist in diesem Men-schen ganz da in der Welt. Im Leben dieses Jesus von Nazareth zeigt sich, wie es Gott mit uns meint und wie trotz Scheitern und Leiden das Leben erfüllt wird.

Leider  wird  in  diesem  Bekenntnis  nur  der  Anfang  und  das  Ende  des  Lebens  von  Jesus  erwähnt.  Wir  heute  interessieren  uns  dagegen  stärker  für  Jesu  Leben  zwischen  Geburt  und  Tod.  Denn  er  zeigte  den  Menschen durch sein Reden und Handeln, wie Gott ist. Er grenzte keinen aus, vergab und ermöglichte Menschen neu anzufangen. Dass  Gott  selbst  in  Jesus  Christus  Mensch  geworden ist, sprengt die Vorstellungskraft vieler Menschen.

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
Das Wort „eingeboren“ bedeutet etwa: der einzige, besonders geliebte Sohn.

empfangen durch den Heiligen Geist,geboren von der Jungfrau Maria,
Dass  Maria  bei  der  Geburt  Jesu  noch  eine  Jungfrau war, ist eine Legende, die in späterer Zeit entstanden ist. Insgesamt bedeuten diese Formulierungen: Gott und Jesus waren  vom  Anfang  des  Lebens  Jesu  an  ganz  und gar miteinander verbunden. Wir haben es bei Jesus mit einem außergewöhnlichen, besonderen Menschen zu tun.

gelitten unter Pontius Pilatus,
Pontius Pilatus war von 26-36 n. Chr. römi-scher Statthalter in Judäa. Er hatte das Volk wählen lassen, ob Jesus oder Barrabas frei-gelassen werden soll. Die Menge entschied sich  für  Barrabas.  Pilatus  wusch  deshalb  öffentlich  seine  Hände,  um  zu  zeigen,  dass  er  nicht  an  seinem Tod schuldig sein wollte. Wir  wissen  aber  auch,  dass  die  Römer  ein  sehr  blutiges  Regi-ment  geführt  haben,  deshalb:  „gelitten unter Pontius Pilatus“.

gekreuzigt, gestorben und begraben,
Jesus hat aus Liebe zu uns Menschen sein Leben  aufs  Spiel  gesetzt,  um  seiner  Auf-abe und der Liebe Gottes, treu zu bleiben. Sein  Tod  ist  so  für  uns  ein  Zeichen  geworden: Jesus teilt das Schicksal der Menschen. Er musste genauso sterben wie wir.

hinabgestiegen in das Reich des Todes,
Damit wird betont, dass Jesus wirklich gestorben  ist.  Aber  es  bedeutet  auch,  dass  Jesus im Totenreich den vor ihm Verstorbenen die Botschaft von Gottes Liebe brachte. Der Sinn dieses Satzes wäre dann: Keiner ist von Gottes Liebe ausgeschlossen.

am  dritten  Tage  auferstanden  von  den  Toten,
Das  ist  ein  elementarer  Teil  unseres  Glaubens. Die  Auferstehung  Jesu  bedeutet,  dass für ihn auch im Tode die Gemeinschaft mit Gott nicht zu Ende war. Gott ist stärker als der Tod.

aufgefahren  in  den  Himmel;  er  sitzt  zur  Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
Wir  denken  bei  der  Himmelfahrt  nicht  an  eine Fahrt ins All, sondern daran, dass Jesus und  Gott  zu  einer  Einheit  geworden  sind.  Vergleiche auch in der Englischen Sprache den  Unterschied  von  „sky“  (Atmosphäre)  und „heaven“ (Bereich Gottes)

Foto und bild OETTEL